Bericht von Kerstin Treber-Koban

Wer sich für die Geschichte des Dorfes Gurs und über die jährliche Gedenkveranstaltung interessiert, kann dazu hier und hier und nachlesen.
Bei der diesjährigen Gedenkveranstaltung an der Gedenkstädte auf dem ehemaligen Gelände des Deportations-Lagers im südfranzösischen Gurs, konnte ich als Stadträtin dabei sein. Meine Eindrücke möchte ich mit Euch teilen:
Die Gedenkstätte auf dem ehemaligen Lagergelände liegt heute in einem traumhaften Herbstwald, gewachsen auf einem Alptraum. Es ist bedrückend, die Geschichten auf den Tafeln, die vielen Grabsteine, die Angehörigen der Getöteten oder der Befreiten.
Ganz besonders der direkte Kontakt und die Gespräche, mit einigen Jüdinnen und Juden aus der Delegation haben mich tief berührt.
In ihnen lebt der der Schmerz des Verlustes weiter, was in den Gesprächen deutlich wird. Der Verlust von Angehörigen, von Unversehrtheit, von Menschenwürde und Respekt, Die Erfahrung von Ungerechtigkeit, Brutalität, dem Fehlen von Anteilnahme, Schutz oder Mitgefühl in der Bevölkerung, der Opfer, die dieses Lager nicht überlebt haben oder den Rest ihres Lebens mit den Erfahrungen dort zurechtkommen mussten, darf nicht umsonst gewesen sein. Diese Erfahrungen müssen in die Gegenwart und in die Zukunft getragen werden, damit wir uns erinnern und uns versprechen: Nie wieder! Der persönliche Kontakt, das Erleben vor Ort ist dabei wesentlich und macht diese Reise so kostbar.
Die Karlsruher Schule für Pädagogik hat engagiert und einfühlsam die Geschichte der Karlsruher Jüdin Hanna Mayer-Moses bearbeitet und erlebbar gemacht. Ihr Sohn, als Zeitzeuge der 2. Generation schilderte den Kampf der Mutter, zunächst bemüht zu vergessen und sich dann doch ihrer eigenen Geschichte anzunehmen. Sie wurde zur Zeitzeugin, die bis an ihr Lebensende, im Alter von 93 Jahren, uns ihre Erinnerungen zur Verfügung stellte.
Eine Sache hat mich befremdet und irritiert. In der Gruppe aus Karlsruhe war ein Stadtrat aus der AfD Fraktion. Ein, für eine rechtsextrem Partei gemäßigter Kopf, aber dennoch ein Funktionsträger jener Partei, die mit LeugnerInnen der Shoa zahlreichdurchsetzt ist, das Nazi-Regime verharmlost, „biodeutsch“ definiert und offen über Remigration durch großangelegte Deportation spricht. Er hat sich unter die Gruppe gemischt, geplaudert und sich den Anschein eines „ganz normalen“ Teilnehmer gegeben.







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